Der Big Boy

der Union Pacific

In den späten 30er Jahren des 20.Jahrhunderts, hat die Union Pacific meist Hilfslokomotiven verwendet, um die Züge von Ogden nach Wasatch zu fahren. Die UP wollte diese Fahrt vereinfachen, so hat sie ihre “Abteilung für Forschung und mechanische Regeln” gebeten, eine Lokomotive zu konstruieren, die einen 3.600 Tonnen-Zug ohne Unterstützung über die 1,14% Steigung des Wasatch ziehen kann.

Die Konstrukteure errechneten, dass um einen 3.600-Tonnen-Zug ziehen zu können, eine Traktionsleistung von 135.000 Pfund benötigt wird. In Verbindung mit einem Adhäsionsfaktor von 4.0 musste das Gewicht der Lok mindestens 4 x 135.000 = 540.000 Pfund betragen Für eine Achslast von jeweils 67.500 Pfund erforderte dies acht Antriebsachsen oder eine x-8-8-x Radanordnung. Die Kontrukteuere entschieden sich für das 4-8-8-4-Modell. Als nächstes wurde die Leistung und Zylindergröße für einen Kesseldruck von 300 Bar bestimmt. Allerdings wurden sie nicht so konstruiert, um diese Güterzüge mit 80 Meilen pro Stunde ziehen können sondern die Big Boys wurden für eine Geschwindigkeit von 80 Meilen geplant, um im täglichen Einsatz genügen Sicherheitsreserven zu haben. Das Ergebnis wird von vielen als die mächtigste jemals gebaute Dampflokomotive angesehen. Die Lokomotive mit der Nummer 4000 wurde am 5. September 1941 nach Omaha an die UP ausgeliefert.

Hinweis: Manchmal wird der Big Boy auch als sogenannte „Mallet“ bezeichnet. Technisch gesehen ist dies jedoch falsch. Die von A.Mallet entwickelten Dampflokomotiven waren 1) gegliedert und 2) verwendeten sie die Verbunddampf-Technik (Hoch- und Niederdruck-Zylinder). Die Big Boys verwendeten dagegen, wie viele andere gegliederte Lokomotiven keine Verbunddampf-Technik und waren somit keine wirklichen „Mallet“

Was bedeuten die Kennzeichen am Fahrerhaus?

UP: Union Pacific

4002: Loknummer

4-8-8-4: Achsfolge / Radanordnung

Hinweis: Manchmal wird als Achsfolge auch “4-8-8-4 1″ und “4-8-8-4 2″ verwendet um zwischen den Big Boys der ersten und der zweiten Gruppe zu unterscheiden.

68: Durchmesser der Antriebsräder in Inch (= 172,7 cm)

23 3/4 – 23 3/4: Zylindergröße (vorne und hinten) in Inch (= 60,3 cm)

32: Kolbenanschlag in Inch (= 81,3 cm)

540: Gewicht über den Treibachsen in 1000 Pfund (=244.938,6 kg)

MB: Art der Kohlenbeladung

Sind sie wirklich die größten Dampflokomotiven?

Bücher und Zeitschriften bezeichnen den Big Boy häufig als die größte jemals gebaute Dampflokomotive. Beim Vergleich von Dampflokomotiven können aber die unterschiedlichsten Faktoren verglichen werden. Beispielsweise kann ein Vergleich nach Gewicht, Länge, Leistung oder Zugkraft erfolgen. All dies sind Kennzeichen, wie “groß” eine Dampflokomotive ist. In jeder der genannten Kategorien gibt es auch Lokomotiven, die den Big Boy hier übertreffen.

Wenn man allerdings alle nicht erfolgreichen Lokomotiven und Prototypen weglässt und eine Gesamtbewertung der verbleibenden Dampfloks vornimmt, wird schnell klar, dass der Big Boy (verglichen mit der N&W Y6, DM&IR M und vielleicht den C&O H-8 Lokomotiven) zu den größten erfolgreichen Dampflokomotiven zählt

Hinweis: Die schärfste Kurve, welche der Big Boy bewältigen kann ist eine 20 Grad-Kurve. Im HO-Maßstab würde dies eine Kurve mit einem Radius von 40-Zoll (ungefähr 101 cm) sein.

Wann sind die Big Boys gefahren?

Die 25 Big Boys wurden in zwei Gruppen gebaut. Die erste Gruppe, auch Class 1″ genannt, wurden ab 1941 gebaut und tragen die Nummern 4000 bis 4019. Die zweite Gruppe (“Class 2″) wurde im Jahre 1944 gebaut und erhielt die Nummern 4020 bis 4024. Der letzte von einem Big Boy gezogene Güterzug fuhr im Juli 1959. Die meisten Loks wurden bis 1961 ausgemustert und stillgelegt, der letzte Big Boy wurde im Juli 1962 außer Betrieb genommen. Im September 1962 gab es noch vier betriebsfähige Big Boys in Green River, WY.

Wieviele Kilometer sind sie gefahren?

Die insgesamt gefahrenen Kilometer der Big Boys der ersten Gruppe betragen bei allen Loks ungefähr gleichviel – 1.000.000 Meilen (=1.609.344 km). Lok 4016 hatte dabei mit 1.016.124 Meilen (= 1.635.293 km) den niedrigsten Kilometerstand, die Lok 4006 wies mit 1064625 Meilen (=1.713.348 km) den höchsten Kilometerstand auf Von der zweiten Gruppe erreichte Lok 4024 als beste einen Kilometerstand von immerhin 811.956 Meilen (=1.306.717 km).

Wird jemals ein Big Boy wieder fahrbereit gemacht ?

Diese Frage kommt immer wieder auf. Viele beginnen dann zu lachen, weil für sie diese Frage so lächerlich ist. Aber aufgrund der Nachrichten bezüglich der Restaurierung des 4018 gibt es tatsächlich Hoffnung, einmal wieder einen Bigboy in Betrieb erleben zu können.

Wenn ein Bigboy restauriert werden soll, wäre es sinnvoll mit dem zu beginnen der sich im besten Zustand befindet. Vor einiger Zeit wäre dies Lok 4023 gewesen, die zur Zeit im Kenefick Park in Omaha, NE steht. Am Ende ihrer Einsatzzeiten wurden die Challenger 3985 und der Bigboy 4023 im Betriebswerk Cheyenne der Union Pacific komplett überarbeitet. Jedoch wurde die Lok 4023 in Omaha im Freien aufgestellt und ist seither Wind und Wetter ausgeliefert. Derzeit befindet sich Lok 4014 – ausgestellt in Pomona, CA in tadellosem äußerlichem Zustand und wird durch eine südkalifornische Gesellschaft für Eisenbahn- und Lokomotivgeschichte gepflegt.

Aus mehreren Quellen ist zu erfahren, dass die Union Pacific verabscheut eine kohlebefeuerte Lokomotive auf ihren Gleisen fahren zu lassen. (Die Challenger-Lok 3985 (4-6-6-4) wurde in den späten 1980er Jahren auf Ölfeuerung umgestellt) Natürlich stellt sich nun die Frage, warum man nicht versucht, auch einen Big Boy so umzurüsten, dass er mit Öl fährt. Dies wurde bereits in den 1940er oder 50er Jahren ohne Erfolg versucht und wieder ruckgängig gemacht. Es wurde dabei festgestellt. dass es nicht praktikabel ist den Big Boy mit Öl zu befeuern, weil die Konstruktion der Feuerbüchse und die Kesselkapazität auf die spezielle fast bitumenartige Kohleart aus dem südlichen Wyoming ausgerichtet ist. Allerdings ist die Lok 3985 auf Ölfeuerung umgerüstet worden, obwohl die Unterschiede der Feuerbüchse zu einem Big Boy nicht so groß sind.

Steve Lee (Leiter des UP-Dampfprogramms) lies wissen, dass es für die Union Pacific außerdem keinen großen Sinn macht einen Big Boy zu restaurieren, da es nur zwei Stellen im Gleisnetz der UP gibt, an denen genug Platz ist einen Big Boy zu wenden – und diese liegen gerade mal ein paar Meilen auseinander. Allerdings wird die Challenger häufig über Gleisdreiecke gewendet – und das sollte auch mit einem Big Boy möglich sein.

Trotz den Schwierigkeiten und Problemen, die eine Restaurierung und ein Betrieb des Big Boy mit sich bringen, mit genug Geld ist alles möglich…

Der Artikel ist mit dem Einverständnis des Autors aus dem Englischen übersetzt, der Originaltext findet sich unter http://www.steamlocomotive.com

Ein paar Bilder von den insgesamt 25 Big Boys gibt es bei uns auch. Die Bilder sind im Internet zusammengetragen und nicht selbst fotografiert. Soweit es sich recherchieren lies, können die Bilder für private Zwecke gezeigt und verwendet werden.

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